Auszeichnungen für herausragende Leistungen in der Astronomie

Preisträgerinnen und Preisträger 2026

Die Astronomische Gesellschaft (AG), die deutsche Fachgesellschaft für Astronomie und Astrophysik, hat ihre Preisträgerinnen und Preisträger für das Jahr 2026 bekannt gegeben: Marta Volonteri erhält die Karl-Schwarzschild-Medaille, Cornelis P. Dullemond den Astrophysikalischen Softwarepreis, Caroline Gieser den Ludwig-Biermann-Preis, Maximilian Häberle den Promotionspreis, Florian Freistetter den Bruno-H.-Bürgel-Preis und Klaus Hünig den Hans-Ludwig-Neumann-Preis. Alexander Leukert und Leon Heinisch wurden mit dem Jugend-forscht-Sonderpreis ausgezeichnet.

Die AG verleiht die Karl-Schwarzschild-Medaille 2026 an Marta Volonteri, Directrice de Recherche am Institut d’Astrophysique de Paris (CNRS). Sie wird für ihre wegweisenden Beiträge zum Verständnis der Entstehung und Entwicklung massereicher Schwarzer Löcher sowie ihrer Rolle bei der Entwicklung des Universums ausgezeichnet. Ihre Arbeiten haben unser Verständnis grundlegend erweitert, wie Schwarze Löcher mit Massen von Millionen bis Milliarden Sonnenmassen in den Zentren von Galaxien entstehen und wie ihre Entwicklung eng mit der Entstehung von Galaxien und großräumigen kosmischen Strukturen verknüpft ist. Durch die Verbindung theoretischer Modellierung mit der Interpretation astronomischer Beobachtungen hat sie das entscheidende Zusammenspiel zwischen dem Wachstum Schwarzer Löcher, der Galaxienentstehung, Akkretionsprozessen, Sterndynamik und der Entwicklung des Universums bei hohen Rotverschiebungen aufgezeigt. Marta Volonteri promovierte 2003 in Astronomie an der Universität Mailand. Vor ihrem Wechsel zum CNRS im Jahr 2012 war sie von 2007 bis 2011 zunächst Assistant Professor und anschließend Associate Professor an der University of Michigan in Ann Arbor. Zuvor forschte sie am Institute of Astronomy der University of Cambridge sowie an der University of California in Santa Cruz.

Für die Konzeption, Entwicklung und langjährige Betreuung der Strahlungstransport-Software RADMC-3D verleiht die AG den Astrophysikalischen Softwarepreis 2026 an Cornelis P. Dullemond. RADMC-3D ist ein einflussreiches und weit verbreitetes Softwarepakete der modernen Astrophysik. Es bietet Forschenden einen leistungsfähigen Rahmen zur Modellierung des Strahlungstransports in Gas und Staub sowie zur Erzeugung synthetischer Beobachtungsdaten, die direkt mit astronomischen Messungen verglichen werden können. Dank seiner Flexibilität und Zuverlässigkeit ist das Programm zu einem Standardwerkzeug in Forschungsfeldern geworden, die von protoplanetaren Scheiben und Sternentstehung über entwickelte Sterne bis hin zu aktiven Galaxienkernen reichen. Durch seine breite internationale Nutzung hat RADMC-3D wesentlich dazu beigetragen, theoretische Modelle in überprüfbare Vorhersagen zu überführen und bedeutende Fortschritte beim Verständnis des Universums zu ermöglichen. Cornelis P. Dullemond promovierte 1999 in Astrophysik an der Universität Leiden. Nach Postdoc-Stationen am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching wechselte er an das Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er zunächst als Postdoc und später als Gruppenleiter tätig war. Seit 2010 ist er Professor an der Universität Heidelberg.

Caroline Gieser erhält den Ludwig-Biermann-Preis 2026 für ihre herausragenden Beiträge zum Verständnis der physikalischen und chemischen Prozesse, die die Sternentstehung bestimmen. Durch die Kombination modernster Beobachtungen mit fortgeschrittener astrochemischer Modellierung lieferten ihre wegweisenden Untersuchungen massereicher Sternentstehungsgebiete erstmals Beobachtungsbeschränkungen für die Dichte- und Temperaturstrukturen massereicher protostellarer Kerne und zeigten, wie sich die chemische Entwicklung nutzen lässt, um die frühesten Phasen der Sternentstehung nachzuverfolgen. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch einen ganzheitlichen Ansatz aus, der Beobachtungen mit anspruchsvoller physikalischer und chemischer Modellierung verbindet und grundlegende Erkenntnisse über die Entwicklung sternbildender Regionen über ein breites Spektrum von Massen und Entwicklungsstadien hinweg liefert. Caroline Gieser promovierte 2022 an der Universität Heidelberg und am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Nach einer Postdoc-Position am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching kehrte sie an das Max-Planck-Institut für Astronomie zurück, wo sie ihre Forschung zur Entstehung von Sternen und Planetensystemen fortsetzt.

Den Promotionspreis 2026 verleiht die AG an Maximilian Häberle für seine bahnbrechenden Beiträge zur Erforschung Schwarzer Löcher und stellarer Systeme. Im Rahmen seiner Promotion erstellte er einen bislang einzigartigen astrometrischen Katalog mit Daten von mehr als 1,4 Millionen Sternen in Omega Centauri, dem massereichsten Sternhaufen der Milchstraße. Dabei identifizierte er eine kleine Population besonders schneller Sterne im Zentrum des Haufens und konnte zeigen, dass ihre Bewegungen nur durch die Existenz eines Schwarzen Lochs mittlerer Masse mit mehr als 8.000 Sonnenmassen erklärt werden können. Diese Entdeckung stellt den ersten eindeutigen Nachweis eines Schwarzen Lochs mittlerer Masse dar und beantwortet eine seit Langem offene Frage der Astrophysik nach der Existenz von Schwarzen Löchern, die die Lücke zwischen stellaren und supermassereichen Schwarzen Löchern schließen. Seine Doktorarbeit entstand am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Heute ist er unabhängiger Postdoktorand am European Southern Observatory in Garching.

Florian Freistetter erhält den Bruno-H.-Bürgel-Preis 2026 für seine außerordentlichen Erfolge, Astronomie einem breiten Publikum durch Bücher, Podcasts, Blogs und Live-Auftritte nahezubringen. Seine Bücher haben astronomische Konzepte und Entdeckungen einer großen Leserschaft vermittelt. Mit äußerst erfolgreichen Formaten wie Astrodictum Simplex, einem der meistgelesenen Wissenschaftsblogs im deutschsprachigen Raum, sowie Podcasts wie Sternengeschichten oder Das Universum und Kolumnen wie Freistetters Formelwelt hat er Astronomie für ein breites und vielfältiges Publikum verständlich, spannend und alltagsrelevant gemacht. Er studierte Astronomie und promovierte an der Universität Wien. Nach wissenschaftlichen Stationen an mehreren Einrichtungen, unter anderem in Jena und Heidelberg, wechselte er 2011 in die Tätigkeit als freier Wissenschaftsautor und Wissenschaftskommunikator. Seit 2015 ist er außerdem Mitglied der renommierten österreichischen Wissenschafts-Comedy-Gruppe Science Busters, die wissenschaftliche Genauigkeit mit Humor verbindet und damit neue Wege der Wissenschaftsvermittlung beschreitet.

Der Hans-Ludwig-Neumann-Preis 2026 wird an Klaus Hünig für sein lebenslanges Engagement für eine innovative und praxisorientierte astronomische Bildung verliehen. Bereits in den 1980er Jahren entwickelte er neben seiner Arbeit als Lehrer Lehrmodelle und Bausätze, mit denen Schülerinnen und Schüler astronomische Phänomene durch eigenes Experimentieren unmittelbar erfahren konnten. Im Laufe der Jahre weitete sich dies auf Mathematik, Physik und Optik aus und führte zu einer bemerkenswerten Sammlung von Unterrichtsmaterialien, die heute an Schulen im gesamten deutschsprachigen Raum eingesetzt werden. Nach seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst widmete sich Klaus Hünig vollständig der Entwicklung didaktischer Materialien im eigenen AstroMedia-Verlag. Seine Modelle, Bausätze und Lehrmittel sind bis heute wertvolle Hilfsmittel für Lehrkräfte und Lernende. Sein Engagement für die Wissenschaftskommunikation zeigt sich zudem in seinem YouTube-Kanal „Klaus erklärt“, auf dem er wissenschaftliche Zusammenhänge erläutert und seine Modelle anschaulich vorstellt.

Alexander Leukert und Leon Heinisch vom Isolde-Kurz-Gymnasium Reutlingen gewannen beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ den 1. Preis im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften und erhielten darüber hinaus den von der Astronomischen Gesellschaft vergebenen Sonderpreis für eine Arbeit aus dem Bereich Astronomie. In ihrem Projekt untersuchten sie, ob sich die Bahnen von Satelliten vorhersagen lassen, die sich zwischen einem Planeten und dessen Monden befinden. Dazu entwickelten sie ein eigenes mathematisches Modell zur Untersuchung von Satellitenbahnen. Sie analysierten ein Stern-Planet-Mond-System und untersuchten die Stabilität der Umlaufbahnen. Dabei konnten sie zeigen, dass in der Nähe bestimmter Punkte zwischen einem Planeten und seinen Monden kleine geschlossene Umlaufbahnen möglich sind.

Die Preisverleihungen finden im Rahmen der Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft vom 7. bis 11. September 2026 in Garching statt.

Weitere Informationen
Preise der AG: https://www.astronomische-gesellschaft.de/de/aktivitaeten/preise
Jahrestagung der AG 2026: https://ag2026.astronomische-gesellschaft.de