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EMA 61

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*          ELEKTRONISCHE MITTEILUNGEN ZUR ASTRONOMIEGESCHICHTE            *
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*          Herausgegeben vom Arbeitskreis Astronomiegeschichte            *
*                  in der Astronomischen Gesellschaft                     *
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*                      Nr. 61,  1. September 2002                         *
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*                     Redaktion: Wolfgang R. Dick                         *
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Inhalt
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Hinweis zu EMA Nr. 60

1. Peter Husty:
   Sonderausstellung: Sonnenuhren des Salzburger Museums Carolino Augusteum

2. Ausschreibung Paul-Bunge-Preis 2003

3. Meeting of the Antique Telescope Society

4. Conference Announcement: History of astronomy in Marseille and Provence

5. Tagungsankuendigung: Naturwissenschaften in der Fruehen Neuzeit

6. Tagungsankuendigung: Blender, Taeuscher, Scharlatane -
   Betrug in den Wissenschaften

7. Tagungen 2002/2004

Danksagung

Impressum

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Hinweis zu EMA Nr. 60
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Die per E-mail versendete letzte Ausgabe enthielt leider fehlerhafte
Kopfzeilen der einzelnen Items. Eine korrigierte Version steht unter
http://www.astro.uni-bonn.de/~pbrosche/aa/ema/
oder kann bei mir angefordert werden. Ich bitte den Fehler zu
entschuldigen.

Mit freundlichen Gruessen
Wolfgang R. Dick

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Item 1                                        EMA Nr. 61, 1. September 2002
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Sonderausstellung: Sonnenuhren des Salzburger Museums Carolino Augusteum
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Von Peter Husty, Salzburg


Waehrend der Sommermonate zeigt das Salzburger Museum Carolino Augusteum in
einer von Mag. Peter Husty zusammengestellten Sonderschau im 2. Stock des
Haupthauses am Museumsplatz 1, A-5020 Salzburg die interessantesten und
schoensten Stuecke seiner Sammlung an Sonnenuhren, die bis ins Jahr 1575
zurueckreicht.

Seit seiner Gruendung im Jahr 1834 werden im Salzburger Museum Carolino
Augusteum neben Gemaelden und Plastiken, archaeologischen Funden und
kunstgewerblichen Kostbarkeiten die unterschiedlichsten kunst- und
kulturgeschichtlichen Werke und Werte, die mit Salzburgs Vergangenheit in
Verbindung stehen, gesammelt. Besonders umfangreich ist die Sammlung an
Sonnenuhren, die sich ob Ihrer Vielfalt an Formen und Materialien, der
aufwendigen Verarbeitung edler Materialien und der Praezision der einzelnen
Stuecke mit den grossen europaeischen Museen und Spezialsammlungen messen
kann.

Viele dieser fast 100 (!) Stuecke zaehlenden Sammlung kamen im Lauf des 19.
Jahrhunderts ins Museum, als die immer guenstiger werdenden mechanischen
Uhren die Heliochronometer verdraengten. Vor allem der zu Beginn des 20.
Jahrhunderts im Museum taetige Kustos Alphons Haupolter entwickelte eine
Vorliebe fuer diese Geraete, vermehrte die Abteilung und gab 1908 einen
Katalog heraus, der die Stuecke genau verzeichnete und wissenschaftlich
beschrieb. 

Besonders bemerkenswert in der Sammlung des Salzburger Museums sind die
elfenbeinernen Klappsonnenuhren aus der Renaissance, die aelteste davon
datiert 1575, die durch ihr Material und ihre praezise Ausformung, den
Stellenwert der Zeitmessung und diesen Jahrhunderten dokumentieren.

Unglaublich vielfaeltig sind die Sonnenuhren aus der Barockzeit -
vergoldeter Marmor und Serpentin und goldueberzogenes Messing, Silber,
Etuis aus Leder und Samt sind die verwendeten Materialien. Besonders
hervorstechend sind hier die Stuecke, die mit dem Salzburger Erzbischof
Leopold Anton Freiherr von Firmian (1727-1744) in Verbindung stehen, dieser
Salzburger Landesfuerst ging durch die Vertreibung der Protestanten im Jahr
1732 in die Geschichte ein, war jedoch eher ein der Wissenschaft und
Mathematik, der Astronomie und Astrologie zugewandter "Eigenbroetler". In
seinem Auftrag entstanden viele Stuecke, die von Moenchen und Gelehrten der
Salzburger Universitaet gefertigt wurden. Zu erwaehnen ist dabei eine
Bechersonnenuhr aus Glas (1737), eine marmorne polyedrische Uhr, die mehr
als 35 Einzeluhren in sich vereint (1734) oder jene Sonnenuhr deren
Schattenzeiger die Buchstaben "LAS" (Leopold Anton Archiepiscopus) sind
(1735).

Zu sehen sind daneben tragbare Reisesonnenuhren aus Metall und Holz,
steinerne Uhren, die auf Balkonen und Terassen aufgestellt wurden, einfache
Bauern- und Praezisionssonnenringe sowie Dosen- und Saeulensonnenuhren.

Die Ausstellung ist bis 8. September 2002 taeglich von 9 bis 17 Uhr,
Donnerstag bis 20 Uhr geoeffnet.


Anschr. d. Verf.: 
Mag. Peter Husty, Museum Carolino Augusteum,
Kustodiat bildende Kunst bis 1800
Museumsplatz 1, A-5020 Salzburg
Tel.: +43 (662) 62 08 08-141, Fax.: +43 (662) 62 08 08-120 
E-Mail: peter.husty@smca.at
URL: http://www.smca.at

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Item 2                                        EMA Nr. 61, 1. September 2002
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Ausschreibung Paul-Bunge-Preis 2003
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Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Deutsche
Bunsen-Gesellschaft fuer Physikalische Chemie (DBG) verleihen im Jahre 2003
wieder den Paul-Bunge-Preis der Hans-R.-Jenemann-Stiftung. Der Preis wird
international ausgeschrieben und ist mit 7.500,- Euro dotiert. Er zeichnet
abgeschlossene, in deutscher, englischer oder franzoesischer Sprache
verfasste Arbeiten aus dem gesamten Spektrum der Geschichte
wissenschaftlicher Instrumente aus. Bewerbungen sind bis zum 30. September
2002 an die GDCh-Geschaeftsstelle zu richten.

Eingereicht werden koennen Eigenbewerbungen und Vorschlaege fuer
Auszeichnungen. Der wissenschaftlichen Arbeit sind ein Lebenslauf und -
falls vorhanden - eine Publikationsliste des Bewerbers beizufuegen. Ueber
die Preisvergabe entscheidet der Beirat der Hans-R.-Jenemann-Stiftung, die
getragen wird von der GDCh und der DBG. Die Preisverleihung ist vorgesehen
im Rahmen der GDCh-Jahrestagung Chemie in Muenchen (6.-11.10.2003).

Weitere Informationen koennen angefordert werden bei der Gesellschaft
Deutscher Chemiker, Jutta Broell, Postfach 90 04 40, 60444 Frankfurt/Main,
Tel. 069/7917-323, Fax 069/7917-513, E-Mail j.broell@gdch.de


[Quelle: Pressemitteilung der GDCh, 29. April 2002]

Anm. d. Red.: In den letzten Jahren wurde der Preis bereits mehrfach auch
fuer Arbeiten zur Geschichte astronomischer Instrumente vergeben. Siehe
z.B. EMA Nr. 51, 27. Juli 2000, Item 1, und EMA Nr. 57, 22. Juni 2001,
Item 4.

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Item 3                                        EMA Nr. 61, 1. September 2002
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Meeting of the Antique Telescope Society
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(Aus: Electronic Newsletter for the History of Astronomy, No. 50,
August 30, 2002, Item 3)


The Antique Telescope Society will hold its 2002 meeting in Dublin,
Ireland, with trips to Birr, Armagh, and Dunsink; Friday, September 20
through Wednesday, September 25, 2002.

Friday, September 20, Banquet at the Friends of the National Art Gallery
with Keynote Address.
Saturday, September 21, Paper sessions, Displays, Evening sessions.
Sunday, September 22,  Paper sessions, Displays, Evening sessions.
Monday, September 23, Tour of Birr Castle, evening observing if possible.
Tuesday, September 24, Tour Megalithic Monument of New Grange, Tour of
Armagh Observatory,  Observing at Armagh.
Wednesday, September 25,  Tour the National Museum Eggesdorf Collection,
Tour of Dunsink Observatory, Observing at Dunsink.

We will be lodging at Trinity College, Dublin, in hotel-style rooms, at
a cost considerably less than hotels in the immediate area.

Contacts: Peter Abrahams, e-mail: telscope@europa.com

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Item 4                                        EMA Nr. 61, 1. September 2002
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Conference Announcement: History of astronomy in Marseille and Provence
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(Aus: Electronic Newsletter for the History of Astronomy, No. 50,
August 30, 2002, Item 4)


Conference in celebration of the Tercentenary of the Observatoire de
Marseille

Venue: Museum d'Histoire Naturelle (part of the Palais Longchamp),
about 200 m away from the present Observatoire de Marseille (Longchamp),
France, lat. 43 degr. 18'16" N., long. 5 degr. 23'38" E.

Dates: 3-9 October 2002
   lecture and poster sessions 4-6 October
   optional coach excursions 7-8 October:
       Observatories of Nice and the Cote d'Azur
       Observatories and sites of Haute Provence
   departure 9 October

Themes:
Principal theme of the conference: history of astronomy in Marseille and in
Provence, and connections with astronomy elsewhere. Additional emphasis:
the instruments of astronomy. The leitmotiv of the conference will be a
reflection concerning the future of this site and its historical heritage
after the astronomical research facilities are moved to the Technopole at
Chateau Gombert.

The Proceedings of the conference will be published. 

Conference languages: English and French.

Registration: There will be a registration fee. The number of participants
will be limited.

Contacts: 
Groupe Patrimoine de l'Observatoire de Marseille
2, place Le Verrier
13248 Marseille cedex 4
France
e-mail: patrimoine@oamp.fr
James Caplan - Tel. 04 95 04 41 89
Marie-Louise Prevot - Tel. 04 95 04 41 50 
(Fax 04 91 62 11 90)

URL: http://www.oamp.fr/patrimoine/om300.html


What is the Observatoire de Marseille?

The Observatory is the city's oldest scientific establishment. Founded by
the Jesuits, near the Vieux Port, its construction was finished and
observations began in 1702. The Jesuits left in the 1760s when their order
was suppressed in France. In the 1860s, under the instigation of Le
Verrier, the Observatory was moved - with its old instruments, library and
archives - to its present site, the Plateau Longchamp, where it received
the new 80-cm Foucault reflecting telescope. After a decade of operation as
an observational annex of the Paris Observatory, the Marseille Observatory
became autonomous again in the 1870s as part of a national structure, then
including the observatories of Algiers, Bordeaux, Lyon, Marseille, Toulouse
and Paris. In 1899 it was attached to the University. On 1 January 2000 the
Observatory, under the enlarged name Observatoire Astronomique de
Marseille-Provence, was administratively expanded to include the
Laboratoire d'Astronomie Spatiale in Marseille (an offshoot of the
Observatory, founded in the 1960s) and the Observatoire de Haute Provence,
in Saint Michel, founded in the late 1930s. For more historical
information, see the Chronology (currently only in French) and for
contemporary information see the Web pages of the OAMP.

Tercentenary

The Tercentenary celebration is not limited to this conference. During the
months of October, November and December 2002 there will be numerous
events, mostly open to the general public, and in large part financed by
the City of Marseille; they will be announced on the Web pages of the OAMP.
Many of the staff of the OAMP are contributing to the Tercentenary
celebrations in various ways. As for ourselves - the Groupe Patrimoine -
our principal contribution in addition to the organization of this
Conference will be an 'improved' exposition of our collection of
instruments and archives as an illustration of the history of the
Observatory. In addition, we are collaborating with the City's Office du
Tourisme in designing a "parcours culturel" related to the history of
astronomy in Marseille, and also with the Preau des Accoules, a small
children's museum in the original Observatory building.

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Item 5                                        EMA Nr. 61, 1. September 2002
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Tagungsankuendigung: Naturwissenschaften in der Fruehen Neuzeit
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Symposium anlaesslich des 500. Gruendungstages der Universitaet
Halle-Wittenberg, des 400. Geburtstages Otto von Guerickes und des 350.
Gruendungstages der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina

Programm


Montag, 14. Oktober 2002
  
18:00-19:00
Begruessung durch den Vorstandsvorsitzenden der
Stiftung Leucorea, Prof. Dr. Dr. Gunnar Berg

Ansprache des Ministerpraesidenten des Landes
Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Wolfgang Boehmer

Eroeffnung der Zweiten Akademischen Festwoche durch den Rektor der
Martin-Luther-Universitaet Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Wilfried Grecksch

19:00-20:00
Prof. Dr. Udo Straeter, Halle (Saale)
Einfuehrung in das Symposium

Festvortrag Prof. Dr. Fritz Krafft, Marburg
Aufbruch ins Neue: Die Naturwissenschaften der Fruehen Neuzeit
             
ab 20:00
Empfang des Ministerpraesidenten mit Programm
  
             
Dienstag, 15. Oktober 2002
  
Moderation: Prof. Dr. Klaus-Erich Pollmann, Magdeburg

09:00-09:45
Prof. Dr. Eberhard Knobloch, Berlin
Otto von Guericke und die Kosmologie im 17. Jahrhundert

09:45-10:30
Prof. Dr. Helmut Groessing, Wien
Johannes Kepler und die Astrologie: Weltharmonie und/oder Chaos

10:30-11.15: Kaffeepause

11:15-12:00
Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt, Luebeck
Ziele und Funktionen der naturwissenschaftlich- medizinischen Akademien des
17. Jahrhunderts

12:00-13:30: Mittagspause

13:30-14:45
Gelegenheit fuer Besichtigungen (Rathaus oder Melanchthonianum)

15:00-15:45
Prof. Dr. Walter Saltzer, Frankfurt a.M.
Der Einstieg der Jesuiten in die Weltbild-Diskussion im 17. Jahrhundert
             
15:45-16:30
Prof. Dr. Udo Straeter, Halle (Saale)
Protestantische Theologie und Naturwissenschaften im 17. Jahrhundert

17:00: Ende des Symposiums

Eine Tagungsgebuehr wird nicht erhoben.

Vgl. auch: http://www.leopoldina.uni-halle.de/
dann unter "Veranstaltungen"


Kontakte: Prof. Dr. Andreas Kleinert
Martin-Luther-Universitaet Halle-Wittenberg, Fachbereich Physik
Kroellwitzer Str. 44, 06120 Halle (Saale), Germany
Tel.: +49.345.5525420, Fax : +49.345.5527126
http://www.physik.uni-halle.de/Fachgruppen/history/index.html

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Item 6                                        EMA Nr. 61, 1. September 2002
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Tagungsankuendigung:
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Blender, Taeuscher, Scharlatane - Betrug in den Wissenschaften
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Symposium der Gesellschaft fuer Wissenschaftsgeschichte, Heidelberg,
29.-31. Mai 2003

Call for papers!

Scheinbar unaufhaltsam nimmt in den letzten Jahrzehnten die Zahl
aufgedeckter oder offenkundiger Faelle von Betrug und Taeuschung in den
Wissenschaften zu: Daten werden manipuliert, erfunden und an moeglichen
Pruef- und Bewertungsinstanzen vorbei veroeffentlicht - nicht selten in
renommiertesten Forschungseinrichtungen (Harvard University, MIT, Max-
Planck-Gesellschaft) und Journalen (Science, Nature). In juengster Zeit
beginnt sich die Wissenschaftssoziologie fuer dieses Phaenomen zu
interessieren und kommt zu Ergebnissen, die auf ganz augenscheinliche
Diskrepanzen zwischen Wissenschaftsideal und Wissenschaftsrealitaet
verweisen, vor denen die personae dramatis', die Wissenschaftler selbst,
ihre Augen nur zu gern verschliessen; und doch ist es eine Binsenweisheit:
"In den Wissenschaften geht es neben dem Ideal wahrheitsverpflichteter
Forschung ebenso wie in anderen sozialen Organisationen um Karrieren,
materielle Vorteile, Einfluss und soziale Anerkennung. Nicht selten werden
dabei die Regeln der Wissenschaftsethik verletzt. Die Spannbreite reicht
dabei von fahrlaessigen Irrtuemern, "Wissenschaftsdiebstahl" (Plagiaten)
bis hin zur vorsaetzlichen Faelschung von Daten und Ergebnissen" (Andreas
Diekmann, 2001). Solchen Formen von "white collar crime" wird in juengster
Zeit aufgrund sich haeufender Skandale in den Wissenschaftsorganisationen
(z.B. MPG, DFG) praeventiv durch die Verabschiedung besonderer ethischer
Codices begegnet.

In der Wissenschaftsgeschichte wurde die Thematik "Betrug in den
Wissenschaften" bis auf einige Einzelfaelle wenig thematisiert. Dabei
verspricht doch gerade eine Annaeherung an die Frage nach den Bedingungen
wissenschaftsdevianter oder -krimineller Handlungen im Sinne des bewussten
Betruges, der gezielten Faelschung oder auch des schlichten Plagiates oder
nach der Wirksamkeit wissenschaftssozialer (Scientific community) oder
institutioneller Kontrollinstanzen und -moeglichkeiten von hoher
Sachkompetenz und Neutralitaet (Fachbegutachtung) spannende Aufschluesse
gerade auch fuer die aktuelle Situation. Dabei soll es auch, nicht aber in
erster Linie um die Aussenseiter der Wissenschaften im Kontext ihrer Zeit
gehen. Forscher wie Kopernikus, Galilei, Pasteur, Riemann, Einstein, Freud,
Turing oder Wegener zaehlen heute zu den herausragenden Repraesentanten der
Wissenschaftsgeschichte. In ihrer Zeit freilich galten sie nicht selten als
Luegner, Ketzer, Spinner oder doch zumindest als suspekte Erscheinungen mit
geringem Vertrauensbonus. Auch in der juengeren Wissenschaftsgeschichte
galten durch Stipendien und angesehene Forschungsdotationen hoch geehrte
Wissenschaftler, unter ihnen selbst Nobelpreistraeger, in bestimmten Phasen
ihrer Karriere als "schraege Voegel". Soziologisch gesehen wichen auch sie
vom "Mainstream", von Normen ihrer Gruppe und von zentralen Dogmen ihrer
Disziplin ab, wurden indessen spaeter durch die Scientific community
rehabilitiert. Es scheint also durchaus zeitlich begrenzte Phasen des
(unterstellten) Betruges und Ketzertums zu geben und solche, die sich
aufgrund der scheinbaren Offenkundigkeit der betruegerischen Manipulation
von vornherein scheinbar auch ueberzeitlich disqualifizieren. Ein Ziel der
Tagung soll es auch sein, zwischen solch offenkundigem Fehlverhalten und
nur vermeintlichen Betruegereien und Luegengebaeuden zu unterscheiden, wie
sie Aussenseitern, Ketzern oder schlicht nonkonformen Wissenschaftlern von
ihrer Zeitgenossen gelegentlich unterstellt wurden. Montaigne hat in seinem
beruehmten Essay "Ueber die Luegner" wohl kaum zu uebertreffen formuliert,
was auch fuer den Betrug und hier besonders fuer den in den Wissenschaften
gilt: "Haette wie die Wahrheit auch die Luege nur ein Gesicht, waeren wir
besser dran: Wir wuerden dann ganz einfach das Gegenteil von dem, was der
Luegner sagt, fuer gewiss halten. Die Kehrseite der Wahrheit hat jedoch
hunderttausend Erscheinungsformen und verfuegt ueber einen unbegrenzten
Spielraum".

Das Symposium soll an wissenschaftshistorischen Beispielen vor allem vier
erkenntnisleitenden Fragestellungen in historischer Perspektive nachgehen:

- Was ueberhaupt konstituiert Betrug in den Wissenschaften?
- Wer, welche Deutungsmacht, definiert Betrug in den Wissenschaften?
- Welche sozialen und institutionellen Mechanismen decken Betrug in den
  Wissenschaften auf und wie sanktionieren sie ihn?
- Mit welchen Kodifizierungen und Mechanismen schuetzten sich die
  Scientific community und die Gesellschaft oder dem Betrug in den
  Wissenschaften, und mit welchem Erfolg?

Das Thema eignet sich zweifelsohne fuer eine diachrone und disziplinaer
vielfaeltige Behandlung. Die Geschichte der Geowissenschaften, der
Mathematik und Physik, Biologie- und Medizingeschichte, ja selbst
Literaturgeschichte und die der juengeren Gesellschaftswissenschaften
halten hinreichend Fallbeispiele vor, die auf dem Pruefstand dieser und
erweiterter Fragestellungen wissenschaftshistorisch vergleichend analysiert
werden koennen.

An der Tagung Interessierte, insonderheit solche, die einen eigenen
Vortragsbeitrag zur skizzierten Thematik anbieten moechten, werden gebeten,
bis zum 15. September 2002, per Email (oder auf dem klassischen Postweg)
unter Beifuegung eines kurzen Exposes ihres geplanten Betrags (max. 30
Zeilen) Kontakt zu Prof. Dr. Mitchell Ash, Institut fuer Geschichte,
Universitaet Wien, Dr. Karl Lueger Ring 1, A- 1010 Wien, Email:
mitchell.ash@univie.ac.at und Prof. Dr. Wolfgang U. Eckart, Institut fuer
Geschichte der Medizin, Universitaet Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 327,
D-69120 Heidelberg, Email: wolfgang.eckart@urz.uni-heidelberg.de
aufzunehmen.

Die Vortraege der Tagung sollen 30 Min. nicht ueberschreiten und werden in
weiteren 15 Minuten diskutiert. Es koennen auch kurze Beitraege mit einer
maximalen Laenge von 15 Minuten angeboten werden. Die Auswahl der Beitraege
erfolgt durch einen Programmausschuss. Eine Publikation der gehaltenen
Beitraege in den "Berichten zur Wissenschaftsgeschichte" ist prinzipiell
moeglich.

Mitchell Ash (Wien),
Wolfgang U. Eckart (Heidelberg)

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Item 7                                        EMA Nr. 61, 1. September 2002
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Tagungen 2002/2004
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(Aus: Electronic Newsletter for the History of Astronomy, No. 50,
August 30, 2002, Item 6)


Weitere Tagungen in den Jahren 2002 bis 2004 wurden in den vorangegangenen
Ausgaben angekuendigt. Fuer eine komplette Liste aller bisher gemeldeten
Tagungen siehe:

http://www.astro.uni-bonn.de/~pbrosche/hist_astr/ha_meet.html


September 26-29, 2002, Tucson, AZ, USA
8th Annual conference of the North American Sundial Society
Contacts: Fred Sawyer, e-mail: fwsawyer@aya.yale.edu

April 16-18, 2004, Oxford, UK
International Conference of the British Sundial Society
Contacts: Douglas Bateman, Secretary, British Sundial Society,
4 New Wokingham Road, Crowthorne, Berkshire, RG45 7NR, United Kingdom,
tel: +44 1344 772303, e-mail: douglas.bateman@btinternet.com

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Danksagung
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James Caplan und Helmut Sonderegger sei fuer persoenliche Mitteilungen
gedankt. Die meisten Informationen stammen aus Internet-Diskussionsgruppen
und aus Web-Seiten.

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Impressum
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Elektronische Mitteilungen zur Astronomiegeschichte (EMA)

Herausgegeben vom Arbeitskreis Astronomiegeschichte in der Astronomischen
Gesellschaft

Redaktion: Dr. Wolfgang R. Dick <wdick@astrohist.org>

Alle nicht namentlich gekennzeichneten Mitteilungen sind redaktionelle
Beitraege. Aufsaetze sowie Mitteilungen fuer die Rubriken werden gern
entgegengenommen. 

Der Bezug der EMA ist kostenlos. Abonnenten und Leser werden um
gelegentliche freiwillige Spenden an den Arbeitskreis gebeten.

Die Elektronischen Mitteilungen zur Astronomiegeschichte duerfen unbegrenzt
weiterverbreitet werden, sofern dafuer keine Gebuehr erhoben wird. Ein
oeffentliches Abgebot in WWW-Servern, BBS etc. ist gestattet, sofern die
Redaktion informiert wird. Die Reproduktion von Auszuegen in elektronischen
oder Druckmedien ist nur mit Genehmigung der Redaktion gestattet.

Die Elektronischen Mitteilungen ergaenzen die gedruckten Mitteilungen zur
Astronomiegeschichte, die derzeit halbjaehrlich erscheinen:
 Preis: 1,- Euro/Ausgabe zzgl. Versandkosten 
        Ausserhalb von Deutschland: kostenfrei, Spenden erwuenscht
 Bezug: Einsendung von 1,50 Euro (Einzelheft) oder 3,- Euro (Nr. 20-21) in
        Briefmarken an die Redaktion
 Redaktion: Dr. W. R. Dick, Anschrift siehe unten
Kostenlose Probeexemplare koennen bei der Redaktion angefordert werden.


Anschriften des Arbeitskreises Astronomiegeschichte:

URL: http://www.astrohist.org/

Vorsitzender: Prof. Dr. Peter Brosche, Observatorium Hoher List der
Sternwarte der Universitaet Bonn, D-54550 Daun, Tel.: +49(0)6592 2150,
Fax: +49(0)6592 985140, e-mail: pbrosche@astro.uni-bonn.de

Sekretaer: Dr. Wolfgang R. Dick, Otterkiez 14, 14478 Potsdam,
e-mail: wdick@astrohist.org

Spendenkonto der Astronomischen Gesellschaft:
Konto-Nr. 333 410 41, Sparkasse Bochum (BLZ 430 500 01)
Ueberweisungen aus dem Ausland: Konto Nr. 16218-203, Postbank Hamburg, 
BLZ 200 100 20
Alle Einzahlungen bitte mit Vermerk
"Fuer Arbeitskreis Astronomiegeschichte"

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